Unterwegs oder Nichts

Es gibt nur eine Gemeinsamkeit zwischen Heinz Hofbauer und seiner Frau: Die Fähigkeit zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Gäbe es diese Gemeinsamkeit nicht, dann hätten sie sich nie kennengelernt. Dann müsste er nicht widerwillig als Versuchskaninchen für ihre Ausbildung zur Fremdenführerin herhalten. Und sie wäre nicht Testpublikum für seine Tour in Niederösterreich die Heinz Hofbauer zum Star machen wird. Zum Star an der Minibar. Was in der Folge zur Erstbesteigung seiner Magenwand führt. Die, wie die meisten Bergtouren, im Krankenhaus endet.

Wenn ihnen das nichts sagt, dann wäre „Nichts“ vielleicht doch der bessere Programmtitel gewesen.

Worum geht es wirklich? Ist es tatsächlich nur ein Anprangern des Umstandes, dass die Getränkepreise in Minibars so g’schmalzen sind? Ist es lediglich eine weitere Kritik an der Zweiklassenmedizin, in der man sich dennoch drittklassig behandelt fühlt? Ist es tatsächlich nur ein engagiertes Plädoyer für bessere Dramaturgie in Pornofilmen? Oder geht es um Einsamkeit. Und um den Umstand, dass Einsamkeit besonders schwer zu ertragen ist, weil man sie mit niemandem teilen kann.

Oder ist Heinz Hofbauer ständig unterwegs, weil zu Hause mit seiner Frau nichts mehr läuft und er somit vor der Wahl steht: Unterwegs oder Nichts.


Pressestimmen zu "Unterwegs oder Nichts"

Der Kabarettist Heinz Hofbauer präsentiert sein neues Programm "Unterwegs oder Nichts"
Zur falschen Zeit am falschen Ort Von Mathias Ziegler

Alles beginnt mit dem Zeugungsakt der Eltern, unserer Eltern. Und was bei den Eltern von Heinz Hofbauer eine reine Erfüllung der ehelichen Pflicht war (wie es das Produkt, also Heinz Hofbauer, formuliert), war es bei Stefans Eltern lang anhaltender körperbetonter Sex.

So erklärt sich Hofbauer das aufregende Leben seines einzigen Freundes Stefan – im Gegensatz dazu wird sein eigenes Leben den anderen wohl durch nichts in Erinnerung bleiben, meint er.

Alles begann mit dem Festl vom Stefan. Da hat Heinz Hofbauer nämlich seine Frau Birgitt kennengelernt. Es war Stefans Praxiseröffnung, und sowohl Heinz als auch Birgitt waren zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort. Und da liegt der Hund begraben. Mittlerweile leben die beiden nebeneinander und nicht miteinander. Zwar ist ein Nebeneinaderleben der Wendepunkt einer jeden Beziehung – aber was, wenn man schon vom Beginn weg in einer Ehe am Mitmenschen vorbei lebt?

Dass Heinz irgendwann dem Alkohol an der Minibar verfiel, musste natürlich so kommen. Humorvoll nimmt er seine Situation hin und macht für sich das Beste aus seinem Schicksal. Einen Roman schreiben, das hilft dabei, mit dem Erlebten fertig zu werden. Sind doch, wenn man ihm glauben mag, seine Drehbücher für die Erotikbranche immer und immer wieder geklaut worden: Langanhaltender körperbetonter Sex mit einer zufälligen Begegnung.

Was nun den Roman betrifft: Der wird Hofbauer hoffentlich nicht gestohlen. Denn da steckt sie drinnen, seine Geschichte mit Schmäh, mit dem er das Publikum in seinen Bann zieht. Und dazu seine Mimik, die extrem ausdrucksstark ist, aber nicht aufdringlich.

Und was bleibt ihm nun über von seiner Nebeinenander-Ehe? Sein Kugelgriller und sein Universalschäler. Großer Wert – kleiner Preis! Das gilt auch für Hofbauers gesamtes Kabarettprogramm.

 

Klein&Kunst-Redaktrice Lia Auerböck wollte unbedingt wissen, was es mit dem neuen Programm "Unterwegs oder Nichts" von Heinz Hofbauer auf sich hat und war bei der Premiere im Theater am Alsergrund live dabei.

Im neuen Programm von Heinz Hofbauer geht es um das Thema Einsamkeit in sehr vielen, unterschiedlichen Facetten, eingegliedert in eine Beziehungsgeschichte. Jedoch ist diese Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil die beiden nur eine wirkliche Gemeinsamkeit haben: Nämlich zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Sonst hätten sie einander auch nie kennen gelernt.

Heinz Hofbauer entwickelt seine Pointen aus der Geschichte heraus und bringt neben Komik und Fantasterei auch ernste Seiten zum Vorschein. Man könnte heulen, wenn er in Erinnerungen schwelgt und im nächsten Moment biegt man sich schon wieder vor Lachen über seine beeindruckende Mischung aus herrlichen Gesten und großartiger Mimik.
Die Krönung dieses faszinierenden Wechselbads bilden Hofbauers köstlich verdorbene Lieder, die er wollüstig ins Mikrofon haucht.

Aberwitzige Tatsachen und die geschickte Überzeichnung einiger Anekdoten aus dem Leben sind an Absurdität kaum zu überbieten. Es ist deftig und reicht manchmal sogar bis unter die Gürtellinie.
Doch Hofbauer ist ein Meister der Spitzzüngigkeit und des ironischen Humors und macht aus den Episoden des alltäglichen Wahnsinns ein sehr originelles Kabarettprogramm.

Heinz Hofbauer zeigt eine herrlich erfrischende und amüsante Unterhaltung, bei der Lachmuskeln und Zwerchfell kaum eine Pause bekommen und man somit einen überaus vergnüglichen, kurzweiligen und grandiosen Abend erlebt.

Leider ist er noch ein Geheimtipp.

Lia Auerböck für Klein&Kunst Onlein

Interview mit Lia Auerböck >>


Pressestimmen zu Heinz Hofbauer

Hinter Hofbauers vordergründiger Schüchternheit lauern Abgründe der Sprache und der Existenz. Diese Abgründe sind nur mit Aberwitz zu ertragen. Hier gedeiht ein buntes Pfl änzchen als Antithese zum Kabarett-Sumpf von Düringer & Co. Gut so.
pic, OÖ Nachrichten

Heinz Hofbauer zu zuhören ist ein Genuss der Extraklasse. Die Lachmuskeln werden aufs äußerste strapaziert, denn diese Reime sind unglaublich fantastische und pointenreiche Texte, sehr humorvoll, aber auch tiefgründig. Es wurde Zeit, dass sie sich in den Vordergrund stellten.
Lia Auerböck, Klein&Kunst Onlein

Hofbauer beherrscht das gewitzte Wechselspiel zwischen originellem Nonsens, aktueller Satire, banalen Reimereien und hintergründigem Humor. Was ihn von Vielen seiner kabarettistischen Zunft abhebt, ist sein feines Sprachgefühl. Mit seinem genauen Gespür für das trefflichste Wort am rechten Ort gelingt ihm eine bemerkenswerte literarische Veredelung seiner Texte.
Peter Blau, kabarett.at